Der Tatort Kulturpolitik ist wohl auch der Tatort Prekarisierung. Darum hier der Hinweis auf zwei Veranstaltungen des Österreichischen Kulturrats in Wien:
Jetzt ist es heraußen: die Mindestsicherung soll als „Testballon“ fürs Pröll’sche Transferkonto herhalten. Laut Standard-Artikel gehe es Pröll aber nicht um die Streichung von Sozialleistungen, sondern um mehr Transparenz und die Verhinderung von Missbrauch. Warum ihm dann aber wohl gerade jenes Bild einfällt:
Pröll bemühte folgendes Bild: „Wir können nicht das Trampolin zur Hängematte werden lassen.“
Und sein Klubobmann Kopf spricht dann noch etwas von „Balance zwischen Leistung und Solidarität“, die „gesichert bleiben“ müssten.
Ein Schelm, der/die immer noch glaubt, die Pröll’sche Idee des Transferkontos habe nur etwas mit „Transparenz“ zu tun …
Seit Jahren ist ein Leitthema der bürgerlichen Parteien in der Schweiz, Steuern und Abgaben zu senken. Nun, in der sogenannten „Krise“, führen dieselben Kreise die dadurch fehlenden Mittel als Argument für eine massive Attacke gegen die Sozialversicherungen ins Feld. Unterstützt werden Sie dabei vom Bundesrat.
So will der Bund die mit 6 Milliarden Franken verschuldete Arbeitslosenkasse mit Leistungskürzungen, einer Beitragserhöhung und einem befristeten Solidarbeitrag durch Besserverdienende sanieren. Pikant daran ist, dass das geltende Gesetz bereits jetzt Beitragserhöhung und Solidarbeitrag zulassen würde, und zwar in grösserem Umfang, als dies die Revision vorsieht.
Dramatisch ist nicht die Lage der Sozialversicherungen. Dramatisch ist der Angriff auf einen Sozialstaat, der gesellschaftlich und volkswirtschaftlich ausserordenlich produktiv ist.
Der Film „Resiste Aufstand der Praktikanten“ startet diese Tage in deutschen Kinos. Der Trailer schaut schon mal gut aus (mehr gibts im YouTube-Channel) – und ich freue mich, wenn er nach Österreich kommt. Weiss zufällig jemand, wann?
Das Schlagwort heißt hierzulande „Generation Praktikum, in Italien wird von der „Generation 1000-Euro gesprochen, mancherorts ist auch von „Prekarisierung die Rede. Die so bezeichnete Misere wird durch die Wirtschaftskrise noch verstärkt. Jobs für Studienabgänger sind zurzeit so dünn gesät wie selten zuvor. Wer als Hochschulabsolvent nicht ganz ohne Arbeit dastehen will, dem bleibt meist nur das schlecht oder gar nicht bezahlte Praktikum. Für viele Beobachter ist längst eine neue Klasse der Ausgebeuteten entstanden und tatsächlich musste man sich noch nie so gut bilden, um so nahe am Existenzminimum leben zu dürfen. Kurz: Der Kinostart der Komödie „Résiste! Aufstand der Praktikanten kommt zu einem denkbar günstigen Moment, denn rein thematisch trifft der erste Langspielfilm von Jonas Grosch den Nerv der Zeit. Allerdings erweist sich das Werk als überaus laue Angelegenheit und als verschenkte Gelegenheit.
Die drei Freunde Till (Hannes Wegener), Tamara (Fanny Staffa) und Toto (Steffen Jürgens) fristen ihr Dasein als Praktikanten. Als ihre Hoffnung auf eine Festanstellung nicht erfüllt wird, hat Till eine ungewöhnliche Geschäftsidee und gründet mit den Freunden eine eigene Firma, die Praktikanten mit streitbaren Methoden zu mehr Ansehen, Respekt und einer besseren Stellung verhilft. Schnell wird Till zum Jungunternehmer des Jahres gewählt. Sein Erfolg bringt ihm jedoch nicht nur Freunde. Plötzlich taucht der mysteriöse Magnum (Devid Striesow, Lichter, Yella) auf, seines Zeichens Repräsentant der Reichen und Mächtigen, um die Firma zu kaufen. Unter den Freunden entbrennt ein Streit über das beste Vorgehen. Verkompliziert wird die Situation durch Tills französische Kinderliebe Sydelia (Katharina Wackernagel, Das Wunder von Bern). Ihre Lösung atmet den Geist der Französischen Revolution, die Maxime lautet: Aufstand!
Der junge Regisseur Jonas Grosch (Der Weiße mit dem Schwarzbrot) hat sich in seinem Diplomabschlussfilm stilistisch für eine Art sanft überzeichneten Realismus entschieden. Garniert mit surrealen Einsprengseln wird die Handlung der Komödie klar von der außerfilmischen Wirklichkeit abgehoben und erhält Parabelcharakter. Dies wird allein durch die Wahl der Schauplätze deutlich. Auffallend oft spielt sich das Geschehen auf Dächern oder in rauchigen Hinterzimmern ab, fernab vom „normalen Leben. Dazu passend sind die Charaktere sehr holzschnittartig angelegt, was im besten Fall zu der köstlich überzeichneten Nebenfigur des Magnaten Magnum führt (die gute Besetzung mit Devid Striesow spielt dabei sicher auch eine Rolle). Im schlechtesten Fall erzeugt diese Herangehensweise allerdings einfach nur Langeweile, weil einem diese Typen schon nach einer Szene bestens bekannt sind und dem oft Gesehenen und längst Vertrauten kaum etwas Neues hinzugefügt wird.
Zwar geht „Résiste! Aufstand der Praktikanten nominell als Komödie an den Start, doch Grosch verfolgt über weite Strecken unverkennbar recht ernsthafte Ambitionen. So muss der tragische Held Till an mehreren Fronten kämpfen: Der seit Jahren mit seinen Eltern verkrachte Jungunternehmer will einerseits von der Geschäftswelt respektiert werden und wirbt andererseits um die Liebe von Sydelia, die nur die Revolution im Kopf hat. Es geht also ganz im Ernst auch um große gesellschaftliche Fragen, die die Komödie mit ihrem Gewicht aus der Balance bringen. Wenn es dann doch einmal wirklich lustig zugehen soll, wird in flachem Gewässer nach Lachern gefischt oder schlicht auf Slapstick-Routinenummern zurückgegriffen. Grosch versammelt zwar eine Überfülle von Themen und Motiven, aber paradoxerweise reichen die ganzen Konflikte kaum, um das Interesse an seinem Film bis zum Schluss wachzuhalten. Sowohl den Figuren als auch der Handlung fehlt dazu die Substanz, zudem sind die Wendungen in der Geschichte allesamt arg konventionell und vorhersehbar.
Fazit: „Résiste! Aufstand der Praktikanten machen vor allem die dramaturgischen Schwächen zu schaffen. Die Figuren sind zu eindimensional, das Tempo ist speziell zu Beginn zu langsam und die Handlung gut nach der Hälfte des Films erschöpft. So ist „Résiste! leider kein besonders erhellender Beitrag zu einem immer wichtiger werdenden Thema. Es bleibt zu hoffen, dass die am Film beteiligten Praktikanten mit dem gebührenden Respekt behandelt und entsprechend entlohnt wurden.
Eine interessante Veranstaltung, besonders für im Kulturbereich Beschäftigte:
„Freie Dienstverträge und andere Arbeitsverhältnisse im Kulturbereich“
Montag, 16. November 2009 , 17.00 GPA (Gewerkschaft der Privatangestellten), GPA-djp-Service-Center, Alfred-Dallinger-Platz 1, 1034 Wien
In der Kunstvermittlung gibt es wenig fixe Anstellungsverhältnisse. Die meisten VermittlerInnen arbeiten als freie DienstnehmerInnen. Bei diesen Dienstverhältnissen tauchen oft Fragen bezüglich Versicherung und Abgaben auf. Der Verband für Kulturvermittlung bietet daher einen Gratis-Info-Termin für alle freien DienstvertragsnehmerInnen an.
Sehenswert: Martin Künkler von der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen in Deutschland spricht über seine Erfahrungen – „Wenn ich weiß, im Falle von Arbeitslosigkeit kommt der freie Fall ins Nichts – das diszipliniert.“
Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) kommt zu dem Ergebnis, dass die von der Bundesagentur für Arbeit in den letzten Jahren für „Bewerbungstrainings“ von ALG-II-Empfängern ausgegebenen Gelder sinnlos verbrannt wurden, weil solche Maßnahmen keinerlei Auswirkungen auf die Beschäftigungsaussichten haben.
Na, da möchte ich wetten, dass das auch für Österreich gilt.
Jetzt komme ich aber ins Schwitzen für wen ich beim superpraktikanten.at voten soll. Die Bewerbung von Niko Alm (Blog), dem „Mann fürs Grobe“, der anbietet beim Rausschmiss der Innenministerin Maria Fekter behilflich zu sein, ist auch hochinteressant – und damit in Konkurrenz zur Bewerbung der Falter Journalistin Barbara Toth. Oder doch einfach die Superpraktikantin.at?
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