You are currently browsing the monthly archive for Dezember 2008.

AEC
Foto: tschörda

Linz wird 2009 die Kulturhauptstadt Europa sein. Das klingt ja ganz nett – außer man/frau blickt hinter die Fassaden. Die jüngsten Entwicklungen rund ums Ars Electronica Center (AEC), einem städtischen Kulturbetrieb, zeigen, dass Kultureinrichtungen in der künftigen Kulturhauptstadt offenbar nicht fähig sind, arbeitsrechtliche Mindeststandards einzuhalten. Es laufen derzeit drei Klagen von AEC-MitarbeiterInnen auf reguläre Anstellungen, vier sind in Schwebe. Die Gebietskrankenkasse hat festgestellt, dass etliche freie MitarbeiterInnen des AEC ins Angestelltenverhältnis übernommen werden müssten (OÖN). In Linz ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass in den grossen Kultureinrichtungen von Stadt und Land (AEC, Landesmussen, OK, Lentos, …) prekäre Arbeitsverhältnis für den Großteil der MitarbeiterInnen mehr die Regel denn die Ausnahme sind. Miese Stundenlöhne, atypische Beschäftigungen, fehlende Absicherung bei Krankheit oder Arbeitsunfälllen, beliebiges Rumschieben von MitarbeiterInnen je nach Bedarf und der Mangel jeglicher Transprenz sind Ausdruck dieser unhaltbaren Zustände. Mit allen möglichen Tricks wird versucht, hier Personalkosten zu sparen, was die verantwortlichen PolitikerInnen offenbar auch unverhohlen zugeben – nicht anders können die Aussagen von SPÖ-PolitikerInnen interpretiert werden, die empfehlen mit Anstellungen zurückhaltend zu sein (OÖN). Der künstlerische Leiter des AEC Gerfried Stocker meint lapidar “Wir haben aber beispielsweise auch Computerfreaks, die gar kein normales Angestelltenverhältnis wollen und lieber frei sind” (ORF online).

Santa Precaria gratuliert den MitarbeiterInnen, die jetzt ihre Rechte einfordern – und wünscht sich noch viel mehr, die das gleiche tun. Kunst und Kultur, die eigentlich gesellschaftliche Verantwortung zeigen und anregen müsste, wird durch diese prekären Arbeitsverhältnisse zu einem Bereich degradiert, der Vorreiterin für die Aushebelung sozialer Mindeststandards ist – mit Folgewirkungen auch in anderen Bereichen. Dem muss Einhalt geboten werden. Im Interesse der konkret Betroffenen – und im Interesse von uns allen!

NEEDful things

Im Rahmen des Weiterbildungsprojekt NEEDful things von KUPFakademie, FIFTITU% – Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur OÖ sowie des Forums der AbsolventInnen der Kunstuniversität Linz gibt es 2009 ein vielfältiges Angebot für KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen, das an der Arbeitsrealität im Kulturbereich anknüpft, die oftmals von Prekarität geprägt ist. Fünf Info-Abende informieren über relevante Themen von Steuerrecht bis Sozialversicherung und im Rahmen von drei Seminaren haben TeilnehmerInnen die Möglichkeit, relevante Skills zu vertiefen. Ziel ist neben praktischen Informationen auch Raum für die Reflexion der eigenen Arbeitsrealität im Kulturbereich zu schaffen. Das Projekt wird im Herbst 2009 fortgesetzt. Die Infoabende und Workshops sind für alle Interessierten zugänglich und werden möglichst kostengünstig angeboten. Eine Anmeldung ist erforderlich und auf http://www.kupfakademie.at möglich.

Infoabende – Praktische Infos für den künstlerischen Berufsalltag
Beschäftigungsformen
Steuerrecht für Selbstständige
Prekäres Arbeiten – Ein Blick auf Ressourcen
UrheberInnenrecht
Sozialversicherung für KünstlerInnen

Seminare
Geschlechterrollen im Kulturverein
KünstlerInnen als UnternehmerInnen – Das Leben ist kein Butterbrot
Frau Mayer bitte zum Mikrophon

SOHO

Der Verein SOHO IN OTTAKRING sucht für das kommende Festival SOHO IN OTTAKRING (16. bis 30. Mai 2009) zum Themenschwerpunkt  “arbeiten oder nicht arbeiten” Projektvorschläge. Bis zum 15. Januar 2009 ist es für einzelne, in Gruppen oder in einem Verein arbeitende KünstlerInnen, Kulturschaffende bzw. Personen, die auch in anderen Feldern tätig sind und sich für den Themenschwerpunkt interessieren, möglich, Projekt- und Ausstellungsideen einzureichen. Detaillierte Informationen zum Themenschwerpunkt, über die Ausschreibung und zu SOHO IN OTTAKRING allgemein sind auf http://www.sohoinottakring.at/blog/
SOHO IN OTTAKRING ist ein im Jahre 1999 aus einer Künstlerinneninitiative entstandenes Kunst- und Stadtteilprojekt, welches sich über das Brunnenviertel von Ottakring, 16. Wiener Gemeindebezirk, ausdehnt.

Leseheft Fair statt Prekär

Die neue Broschüre Leseheft 4: FAIR statt PREKÄR Atypische Beschäftigungsformen – prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen wird herausgegeben vom OÖ Armutsnetzwerk (Arbeiterkammer OÖ, Armutsnetzwerk OÖ, BMf Unterricht, Kunst und Kultur, Caritas OÖ, Kath. ArbeitnehmerInnen Bewegung OÖ, Land OÖ – Abteilung Soziales, Sozialplattform OÖ) und bietet einen guten ersten Einblick ins Thema. Sie kann bei der KAB mensch&arbeit heruntergeladen werden. Interessant ist die besondere Beachtung der Lebenssituation von Frauen und MigrantInnen.
Das erste Leseheft dieser Reihe widmet sich dem Thema “1.000 Milliarden Euro Privatvermögen” in Österreich (Download bei der Sozialplattform OÖ). Dieses ist als Hintergrund für die Debatte um prekäre Arbeit sehr spannend zu lesen, denn damit wird klar: Es ist genug für alle da!

Allzweckreinigerinnen

Das Kunstprojekt Allzweckreinigerinnen der Linzer Künstlerin Elke Punkt Fleisch fand seinen Ausgangspunkt in der Aussage einer Studienkollegin nach einem verschütteten Kaffee “Den Rest macht hoffentlich die Putzfrau!”. Die Keramikarbeiten machen unter Verwendung von realer Putzutensilien die vielfach unbeachtete Arbeit von Frauen, von Migrantinnen, in beeindruckender Weise sichtbar.
Dieses Projekt wurde eben mit dem St. Leopold Friedenspreis 2008 des Stiftes Klosterneuburg ausgezeichnet.
Santa Precaria gratuliert herzlich zum verdienten Preis!

Hürden

Der ÖGB macht ja in den letzten Jahren in der Prekaritäts-Szene auf sich aufmerksam durch interessante und wichtige Angebote. So bietet die Interessensgemeinschaft work@flex der GPA-djp wirklich relevante Informationen und vertritt politisch engagierte Positionen, die (bis auf weniges) auch meiner Position entsprechen. Nun dachte ich mir, ich werde Gewerkschaftsmitglied – damit stärke ich genau jene in den Gewerkschaften, die begriffen haben, dass die Realität vieler Menschen heute weit weg ist von “Normalarbeitsverhältnissen” und dass es angesichts des Abbaus sozialer Rechte und der Umverteilung von unten nach oben Zeit für demokratische und kämpferische Gewerkschaften ist. Und frau muss sich ja nicht dem Mainstream, dem Totreden der Gewerkschaft, anschließen.

Beschlossen, getan. Aber so einfach ist das nicht!

STEP 1: Ich habe Anfang November das Anmeldeformular auf der GPA-Seite (das da aus Sicherheitsgründen https statt http angeraten wäre, ist eine andere Frage, der ich mich hier nicht widmen will) ausgefüllt und mich dabei schon geärgert, dass ich nicht angeben kann, dass ich gleichzeitig einen Werkvertrag habe und “dzt. ohne Beschäftigung” bin. Als Arbeitgeber habe ich das AMS eingetragen, woher derzeit der Großteil meines Geldes daher kommt, weil ich in einer Stiftung bin und eine Weiterbildung mache.
STEP 2: Eine nette Dame von der GPA OÖ hat mich angerufen und gefragt, ob ich nicht zu einer anderen Fachgewerkschaft gehöre, wenn das AMS mein Dienstgeber ist und ich dort angestellt bin. Nach einer längeren Erklärung waren wir uns dann einig, dass ich doch zur GPA gehöre und sie hat mir sehr freundlich auch versichert, dass ich mich da offenbar besser auskenne mit atyischer Beschäftigung als sie.
STEP 3: Da die Online-Anmeldung noch nicht genug war, ist dann ein Papier-Formular per Post gekommen, wo ich die gleichen Daten, die ich schön brav ins Internet getippt hatte, nochmals ausfüllen durfte. Abgeschickt.
STEP 4: Heute hat wieder ein netter Herr von der GPA OÖ angerufen, der irritiert war wegen des von der ersten Dame vorschlagenen Mitgliedsbeitrages (für atypisch Beschäftigte gibt es einen reduzierten Beitrag, steht im übrigen auch nirgendswo bei der Onlineanmeldung). Und was ich denn sei, denn ich habe ja mehr angekreuzt am Formular. “Ich bin das alles” war meine Antwort, aber dann beim Stichwort “atyisch” hat er sich dann doch ausgekannt und konnte die passende Schublade für mich finden.

Ich bin gespannt, ob da noch ein weiterer Schritt folgt – oder ob ich es jetzt wirklich geschafft habe, Gewerkschaftsmitglied zu werden.

Mein Resümee:

  • Offenbar wollen die Gewerkschaften atypisch, prekär Beschäftigte doch nicht so recht – oder nur so halb, nicht so richtig, so irgendwie doch, na, wir wissen nicht, vielleicht haben wir doch andere Sorgen, …
  • Der Großteil der GewerkschaftsmitarbeiterInnen, die für die Mitgliederbetreuung zuständig sind, hat offenbar keine Ahnung wie atypische Beschäftigung funktioniert. Da ist der Mix von Arbeitsformen typisch und nicht schubladisierbar. Aber freundlich sind sie! Ob das ausreicht für die Zukunft?
  • Die Gewerkschaft ist offenbar noch nicht mal wirklich im Web 1.0 angekommen, von Web 2.0 ganz zu schweigen

Die boomende Textil- und Bekleidungsindustrie hat seit dem Fall des Eisernen Vorhangs verstärkt Osteuropa als neue Produktionsstätte für sich entdeckt. Auf eine Veranstaltung zu prekärer, informeller Arbeit von Frauen in diesem Bereich unter dem Titel

Was ist Mode im Osten?

am 11.12.2008; 18:30 Uhr
im Otto Mauer Zentrum, Währingerstr. 2-4; 1090 Wien

weist dieser Blogeintrag hin.

fair statt prekär

Ich will per Email am Laufenden gehalten werden.
Heiligenbild

das Gebet an die Schutzheilige

Heiligenbild
Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.