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Die TAZ berichtet von der  Pariserin Julie Lacoste, die einen 26-Stunden-Job in einer Bibliothek hat und doch mit ihren zwei kleinen Kindern obdachlos ist (via Danilola). In ihrem (französischsprachigen) Blog berichtet Julie über ihr Leben:

Jedes Mal, wenn es geht, meist in der Mittagspause der Bibliothek, schaltet Julie ihren Computer ein, den sie immer in ihrem Rucksack mitschleppt und erzählt ohne Pathos ihren Kampf, um ein Dach über den Kopf zu finden. Manchmal optimistisch, wenn sie Antworten und aufmunternde Angebote erhält, oft müde und deprimiert: „Diese Situation macht mich kaputt. Ich bin total erschöpft, ich kann nicht mehr richtig schlafen, werde immer ungeselliger und habe nicht mehr die Kraft zu unternehmen, was ich unternehmen müsste“, schreibt sie am 6. März 2009.

Wie es mit den working poor in Österreich ausschaut, ist bei der Armutskonferenz nachzulesen.

Am Mittwoch, 15. April 2009 findet im OÖ. Kunstverein um 19 Uhr ein Vortrag und Gespräch zur beruflichen, sozialen und finanziellen Situation der KünstlerInnen in Österreich statt. Zum Thema „Prekär kämpfen – Rahmenbedingungen künstlerischer Arbeit in Österreich“ diskutieren Daniela Koweindl (kulturpolitische Sprecherin IG Bildende Kunst, Wien) und Roswitha Kröll (FIFTITU%, Linz). Von 16. April bis 7. Mai 2009 gibt es eine künstlerische Intervention von Roswitha Kröll.

Video von Clemens Kogler via Bazzty via green neutrino

Eine Studie der AK Tirol „Handel im Wandel“ (telefonische Befragung von 500 Personen) belegt, dass im Handel viel Gratisarbeit geleistet wird:
Kartonfestival

Denn jeder Zwanzigste Handelsangestellte erhält die von ihm geleisteten Mehr- und Überstunden überhaupt nicht bezahlt und beinahe 30 Prozent jener Beschäftigten, bei denen Mehr- und Überstunden dem Grunde nach abgegolten werden, geben an, dass bei ihnen keine Zuschläge berechnet werden. Dazu kommt noch, dass nur bei 60 Prozent der Befragten, die Vor- und Abschlussarbeiten überhaupt zur Arbeitszeit gerechnet werden. Umgekehrt formuliert:
Bei gut einem Drittel der Befragten werden die Vor- und Abschlussarbeiten gesetzwidrig als reine Gratisarbeit betrachtet.

Die AK Tirol zieht daraus den Schluss, dass im Handel sich zuallererst nicht die Frage nach einer „fairen“ Entlohnung stellt, sondern es geht zunächst einmal um die Bezahlung des rechtlich zustehenden Gehalts.

Weitere Fakten aus der Studie:
weiterlesen …

Zur hier im Blog angekündigten Veranstaltung „Prekäre Zeiten für Frauen“ findet sich auf Kathweb eine Zusammenfassung, in der es u.a. heisst:

Christine Riegler, Koordinatorin der „Allianz für den freien Sonntag“, erläuterte die für prekäre Beschäftigung kennzeichnenden Faktoren – besonders auch jene, die den Umgang mit Zeit betreffen. Riegler nannte permanenten Zeitdruck bzw. zeitweilige Unterbeschäftigung, ständige Verfügbarkeit, Vermischung von Arbeitsplatz und Privatbereich und mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Von prekären Zeiten müsse auch im Hinblick auf die Lebensarbeitszeit gesprochen werden: Für viele Frauen existiere schlichtweg keine längerfristige Möglichkeit der Lebensplanung, so Riegler.

LesenDas im Rahmen dieser Veranstaltung präsentierte Dossier der Katholischen Sozialakademie in Zusammenarbeit mit der Allianz für den freien Sonntag zum Thema ist sehr lesenswert, aber leider nicht online verfügbar. Bestellungen sind möglich unter Tel.: 01-310.51.59 oder E-mail: office@ksoe.at (Euro 4,50 zuzüglich Porto).

Foto: Axel V

Statt der angekündigten besseren Vereinbarkeit von selbstständiger und unselbstständiger Arbeit in der Arbeitslosengesetzgebung (und den AMS-Richtlinien) kommt das Gegenteil: Die aktuellen Strukturmaßnahmen bewirken Anspruchsverluste trotz aufrechter Versicherung sowie potentielle Rückzahlungen und wirken zudem Arbeit verhindernd.

Akut ist die Situation im Moment bei KünstlerInnen, insbesondere jenen, die im „Team 4 KünstlerInnenservice“ betreut werden:
Die Gleichzeitigkeit von Inkrafttreten der freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige, das Schlagendwerden der AMS-Bundesrichtlinie „Kernprozess Arbeitskräfte unterstützen“ und das seit Jahren zu beobachtende Nachhinken der AMS-internen Information an die einzelnen BetreuerInnen produziert zur Zeit für viele einen (zumeist potentiell langfristigen) Verlust des Anspruchs auf Arbeitslosengeld.

Der Dachverband der Filmschaffenden und die IG Freie Theaterarbeit haben daher eine Petition (PDF) verfasst, die zwei Kernpunkte der aktuellen Problemlage anspricht:
die Beschränkung der Betreuungsdauer im Team 4 auf ein Jahr und die fehlende Berücksichtigung künstlerischer Realitäten in der Arbeitslosengesetzgebung.

Mitunterzeichnet wurde die Petition von GPA – Druck-Journalismus-Papier, ÖGB – KulturGewerkschaft Kunst-Medien-Sport-freie Berufe, GPA-work@flex und dem Kulturrat Österreich. Nähere Informationen finden sich auf http://kulturrat.at/agenda/ams/petition09/, diese Petition kann und soll auch unterstützt werden.

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Am Samstag, 28. März 2009 findet ein internationaler Aktionstag unter dem Motto „WIR ZAHLEN NICHT FÜR EURE KRISE! Für eine demokratische und solidarische Gesellschaft“ statt. In Wien ist eine Demonstration geplant: Treffpunkt ist um 13.00 Uhr am Westbahnhof, die Schlusskundgebung ist um 16.00 Uhr vor dem Parlament.

Die schwerste Krise des Kapitalismus seit 1929 betrifft uns alle: massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, verlorene Häuser und Geldanlagen, teure Energie und Lebensmittel. Weltweit verlieren Menschen ihre Existenzgrundlagen und Lebensperspektiven. Die Regierungen, die die Krise durch die Entfesselung der Finanzmärkte wesentlich zu verantworten haben, retten jedoch vorrangig die Banken und die Reichen mit unseren Steuergeldern. Dagegen wehren wir uns!
Nur wenn sich viele Menschen solidarisieren und gemeinsam agieren, wird sich etwas ändern!

Zahlreiche Freund_innen der Santa Precaria sind unter dem Aufrufer_innen, nähere Informationen gibt es auf http://www.28maerz.at/.

fair statt prekär

Ich will per Email am Laufenden gehalten werden.
Heiligenbild

das Gebet an die Schutzheilige

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