Klaudia hat mir die Doku als erste ans Herz gelegt, Andrea hat sie dann sofort eingebettet, sobald sie auf utube war, die zu den Tokio Freeters nämlich. Hiermit noch mals ans Herz gelegt, ans prekäre. Und heut ist dann ein Kommentar unter diesem Tokio Freeters Eintrag eingegangen, und ich denk mir, diese Aussendung der FAU kopieren wir hier zwecks besserer Sichtbarkeit als eigenen Eintrag rein:

Angesichts der enormen Zerstörungen durch das Erdbeben und die Tsunamisam 11. März 2011 sowie angesichts der nach wie vor drohenden nuklearen Katastrophe durch das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima I, hat die FAU-IAA beschlossen einen Hilfs- und Solidaritätsfond für prekäre ArbeiterInnen in Japan – den «Freeters Solidaritätsfond» ins Leben zu rufen. Als anarcho-syndikalistische Basis-Gewerkschaft gilt unsere erste Sorge den vielen prekären ArbeiterInnen (Freeters), die schon vor der Katastrophe ausgegrenzt und zu vielfach miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen gezwungen waren. Die FAU-IAA hat kurzfrístig einen Grundstock für den Fond zur Verfügung gestellt. Sie ruft darüber hinaus zu Spenden für den Hilfs- und Solidaritätsfond auf, dessen Mittel in enger Absprache mit der «Freeter Zenpan Roso», einer Selbstorganisation prekärer ArbeiterInnen in Japan, eingesetzt werden sollen.

Spenden nehmen wir über das Konto: FAU, Konto 96152201, Postbank Hamburg (BLZ 200 100 20) unter dem Stichwort «Freeters» entgegen. Jeder noch so kleine Beitrag als Ausdruck gelebter Klassen-Solidarität ist willkommen.

Wer sind die «Freeters»?

Prekäre ArbeiterInnen sind die Kehrseite der glitzernden Fassaden der japanischen Export-Wirtschaft. Es gab sie schon lange, durch die neoliberalen Reformen der 90er Jahre und durch die aktuelle Wirtschaftskrise ist ihre Zahl jedoch geradezu explodiert. Unter ihnen sind hunderttausende, die sich irgendwie von einem schlecht bezahlten Gelegenheitsjob zum nächsten durchschlagen. Viele sind jung, viele haben akademische Ausbildungen. Sie sind gesellschaftlich stigmatisiert und ausgegrenzt, häufig in Wohnbaracken am Rande der Großstädte zusammen gepfercht, viele obdachlos. Manche von ihnen nennen sich selbst «Freeter», ein Kunstwort, das aus einer Zusammenziehung von „Freelancer“ und „Arubaito“ (von deutsch: Arbeit) dem japanischen Begriff für Tagelohn oder Leiharbeit, entstanden ist. Freeter sind es auch, die in Japan rekrutiert werden, wenn es darum geht, als „Wegwerfarbeiter“ dreckige und gefährliche Arbeiten für ein Minimum an Lohn auszuführen.
Auch unter den Arbeitern, die derzeit versuchen, die Katastrophe durch die zerstörten Atomreaktoren des AKW Fukushima I einzudämmen, sollen sich „Wegwerfarbeiter“ befinden. Seit einigen Jahren versuchen sich Freeter selbst gewerkschaftlich zu organisieren und gegen die Hölle aus Ausbeutung und gesellschaftlicher Ausgrenzung vorzugehen.

Warum der Hilfs- und Solidaritätsfond?

Manche mögen sich fragen, warum wir einen eigenständigen Hilfs- und Solidaritätsfond zur Unterstützung von Freetern ins Leben gerufen haben. Wir haben das getan, weil wir aus der Vergangenheit wissen, dass im Angesicht der Katastrophe eben niemals alle gleich sind. Wer Geld oder Einfluss hat, der hat eher Möglichkeiten, mit den Folgen zurecht zu kommen. Wer aber sowie schon mittellos und an den Rand der Gesellschaft gedrängt war, der hat auch im Falle einer natur- oder menschengemachten Katastrophe die deutlich schlechteren Karten. Das ist die Klaviatur von Katastrophenmanagement unter kapitalistischen Bedingungen.

Wir verstehen den Fond deshalb als Akt der direkten Solidarität unter ArbeiterInnen. Wir wissen, dass es angesichts des Ausmaßes der Katastrophe und angesichts der nuklearen Bedrohung viel zu wenig ist, was wir tun können. Aber wir werden nicht vergessen, dass Freeter in verschiedenen japanischen Städten im Jahr 2010 auf die Straße gegangen sind, um die FAU Berlin in ihrem Arbeitskampf beim Kino Babylon Mitte und dem drohenden faktischen Gewerkschaftsverbot zu unterstützen.

Wozu sollen die Gelder verwendet werden?

Über die Verwendung der Solidaritätsgelder aus dem Fond entscheiden wir auf Basis unserer bestehenden Kontakte und in Absprache mit Selbstorganisationen der Freeter, wie der «Freeter Zenpan Roso». Wie das im konkreten Einzelfall aussehen wird, hängt davon ab, wie sich die Katastrophe weiterentwickelt. Möglich ist es z.B. dass ein Teil der Gelder dazu verwendet wird, angesichts der schlechter werdenden Versorgungslage Lebensmittel anzukaufen und zu verteilen. Für den Fall, dass die radioaktive Verseuchung sich noch weiter ausbreitet, werden künftig die Preise für weniger belastete Lebensmittel steigen. Auch hier könnte sehr bald Unterstützung notwendig werden. Es gibt auch Freeter, die angesichts der Katastrophe das Land verlassen oder sich in zunächst weniger betroffene Landesteile in Sicherheit bringen möchten. Auch das ist für viele von ihnen nicht zuletzt eine Frage des Geldes für Transport und eine Unterkunft. Wir haben bereits damit begonnen, japanische GenossInnen dabei zu unterstützen.

Wie kann ich mich weiter informieren?

1. Für aktuelle Informationen rund um den «Freeters Solidaritätsfond» haben wir eine Sonderseite eingerichtet. Dort werden wir in den nächsten Wochen auch über den Stand der Spenden und aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Fond informieren.

2. Hintergrundinformationen über die Freeter und die Freeter-Gewerkschaft «Freeter Zenpan Roso» finden sich z.B. hier bei direkteaktion.org auf deutsch und auf deutsch und japanisch im as news-blog sowie auf der seite der Freeter Union natürlich japanisch.