Die gemeinsame Aussendung der OrganisatorInnen auf den Seiten der Diözese Linz, der AK Oberösterreich und des ÖGB Oberösterreich:

Arm trotz Arbeit

AK, ÖGB und Kirche kämpfen für „Fair statt prekär“

Atypische Beschäftigung nimmt zu und damit auch die Zahl der Menschen, die trotz Arbeit arm sind. Besonders betroffen sind Frauen. 13 Prozent der oberösterreichischen weiblichen Vollzeitbeschäftigten müssen mit einem Bruttolohn auskommen, der unter 1000 Euro im Monat liegt. AK Präsident Dr. Johann Kalliauer und Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz fordern am 29.2.2008 bei einer Aktion zur prekären Arbeit am Linzer Taubenmarkt die verstärkte Schaffung von Arbeitsplätzen, von denen ArbeitnehmerInnen auch leben können.

Aktionstag in LinzArbeiterkammer, der Österreichische Gewerkschaftsbund und die katholische Kirche in Oberösterreich nutzen deshalb den 29. Februar als Tag der „Schutzheiligen“ der prekär Beschäftigten, „Santa Precaria“, um gemeinsam auf die Arbeits- und Lebensbedingungen atypisch beschäftigter Frauen und Männer aufmerksam zu machen und für eine bessere Zukunft einzutreten. „Die Prekarisierung führt dazu, dass auch in Oberösterreich immer mehr Menschen trotz Arbeit nicht gut leben können. Hinter dem fiktiven Bild der ‚Santa Precaria‘, die Idee wurde von Betroffenen in Italien entwickelt, stehen viele Frauen und Männer, die sich für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt einsetzen“, so Bischof Schwarz.

Geringfügig Beschäftigte, Leiharbeitskräfte, neue Selbständige und freie Dienstnehmer/-innen werden immer mehr. Häufig gehen diese atypischen Beschäftigungsformen mit prekären Arbeitsverhältnissen und geringem Einkommen einher. Die Gruppe der so genannten „working poor“ wird damit größer. Das sind jene Menschen, die trotz Arbeit in Armut leben.

Wenig Lohn trotz Vollzeit
Aktionstag in Linz Das hat auch damit zu tun, dass sozial- und arbeitsrechtlich abgesicherte Vollzeitstellen weniger werden und darüber hinaus auch immer schlechter bezahlt sind. Besonders betroffen davon sind Frauen. In Oberösterreich arbeiten 11.600 Frauen und 4.500 Männer für monatlich weniger als 1000 Euro ein Jahr lang Vollzeit. Das sind 13 Prozent der so beschäftigten Frauen – gleichauf mit Kärnten und nach Vorarlberg der zweithöchste Anteil in Österreich. Bei den Männern sind es zwei Prozent. Außerdem ist die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze für Frauen zwischen 2000 und 2006 in unserem Bundesland um 3.300 gesunken, die Teilzeitbeschäftigung um 40.100 angestiegen.

„Es ist notwendig, dieser Tendenz entgegenzuwirken und prekäre Arbeit zu verhindern. Erste Schritte dazu sind ein ausreichend hoher Mindestlohn sowie eine gerechte Steuerreform, die vor allem die kleinen und mittleren Einkommen entlastet. Hohe Einkommen und vor allem Vermögen müssen hingegen stärker in die Steuerpflicht genommen werden“, sagt Kalliauer.

Gemeinsamer Appell von AK, ÖGB und Kirche
Aktionstag in Linz 3 Beim heutigen Aktionstag anlässlich der Schutzheiligen prekär Beschäftigter Frauen und Männer „Santa Precaria“ machten AK, ÖGB und Kirche auf die Lebensumstände prekär Beschäftigter aufmerksam. Unter dem Motto „Fair statt prekär – Wir bringen Wärme in die Kälte der Arbeitswelt“ schenkten Schwarz und Kalliauer Tee am Linzer Taubenmarkt aus und starteten damit einen gemeinsamen Appell zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von prekär Beschäftigten.

„Anstellungsformen, bei denen die Betriebe ihren Beitrag zur Absicherung zahlen, Löhne, von denen Menschen leben können, das Zahlen von Steuern als Beitrag für eine Gesellschaft in Sicherheit und Frieden. All das sind auch Forderungen der Kirche“ begründet Dr. Ludwig Schwarz sein Engagement Seite an Seite mit AK und ÖGB.

Statements von Bischof Schwarz und Präsident Kalliauer (PDF herunterladen)

Zuwachs atypischer Beschäftigungsverhältnisse in OÖ

Diagramm aus den Unterlagen zur Pressekonferenz.

Weitere Fotos vom Aktionstag sind hier zu finden.