BBADie heurigen Nominierungen für den Big Brother Award, den Negativ-Preis zum Thema Datenschutz, sind auch aus Perspektive der Santa Precaria interessant. So sind nominiert:

Clemens Steiner, Geschäftsführer Tiger Lacke: Zufriedenheit durch Überwachung

„Im Sinne des Erhalts der Zufriedenheit der Belegschaft“ und um „Verbesserungen frühzeitig durch geeignete Maßnahmen einleiten zu können“ habe die Geschäftsführung des Welser Unternehmens Tiger Coatings „regelmäßig die Kommunikation mit den betreffenden Mitarbeitern gesucht“. Dieser glanzpolierte O-Ton der Geschäftsführung hat zum weniger glatten Inhalt: Mitarbeiter wurden – natürlich stets „auf freiwilliger Basis“ – systematisch vorgeladen und nach den Gründen für ihren Krankenstand befragt.

Um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter war die Geschäftsführung ebenso bemüht. Deshalb wurde in Hallen, Büros und Müllraum ein vernetztes System von rund 20 Kameras samt Aufzeichnungsanlage verdeckt installiert. Dies geschah, „um Arbeitsplätze zu sichern“, zumal ein „existenzbedrohlicher Abgang von Pulverlacken“ vorlag. Der stellte sich später laut Geschäftsführung als Irrtum der Buchhaltung heraus. Die Überwachung des E-Mail-Verkehrs war nur ein „Einzelfall“, wie auch der Kameraexzess in den Büroräumen dem Übereifer eines nicht dazu autorisierten ehemaligen Mitarbeiters zuzuschreiben sei – so hieß es in wasserfestem Newspeak seitens der Geschäftsführung der Firma Tiger Lacke, die nicht zuletzt für die glitschigsten Ausreden seit Orwells Gedenken nominiert wird.

Peter Klugar, ÖBB-Chef: Erst überwachen, dann vertuschen

Die Aufrüstung der Bahnhöfe mit überdimensionierten, vernetzten Kamerasystemen, die mindestens 20 Millionen Euro teure Aufrüstung von hunderten Nahverkehrszügen mit Video-Aufzeichnungsanlagen waren nur die nach außen sichtbaren Symptome. Im Jahr 2009 kam heraus, dass der ÖBB-Konzern zur gleichen Zeit auch intern auf totale Überwachung setzte, die Frage der Legalität war sekundär. Systematisch wurden Krankenakten über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angelegt, erst geschah das relativ offen durch ein entsprechendes Feld in der Personaldatenbank. Nach einem Einspruch des Betriebsrats gingen dieselben Praktiken auch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Peter Klugar unverändert weiter, nur eben verdeckt.

Sehr schön in dieses unternehmenskulturelle Sittenbild passt da ein Leitfaden für den ÖBB-internen Gebrauch. Verschärfte Krankenstandskontrollen durch Detektivbüros sind da ebenso vorgesehen wie Tipps zur Befragung der Lebensgefährten von Beschäftigten mit langen Fehlzeiten. Als das durch Medienberichte bekannt wurde, hat das ÖBB-Management blitzschnell reagiert, um den Fall aus der Welt zu schaffen. Dies geschah nicht etwa durch eine genaue Untersuchung der Umstände und Verantwortlichkeiten, sondern durch das Tilgen aller Spuren. Laut Aussagen der ÖBB wurde die illegale Datensammlung gelöscht.

BFI Oberösterreich: „Sozial-Anamnese“ für Kursteilnehmer

Wer als Arbeitslose/r einen Kurs im Berufsförderungsinstitut Oberösterreich [BFI] besuchen will, muss vorher einen Fragebogen ausfüllen, in dem Fragen sehr intimer Art gestellt werden.

„Befanden Sie sich während der letzten fünf Jahre oder sind Sie derzeit in psychiatrischer Behandlung? Nehmen Sie regelmäßig Alkohol, Medikamente oder Drogen?“, wird ebenso gefragt, wie nach Wohnumständen, „finanziellen Schwierigkeiten“, oder Kontakt mit anderen Einrichtungen wie Schuldnerberatung oder Pro Mente.

Diese sogenannte Sozial-Anamnese sei im Interesse der Kursteilnehmer, sagte Gerald Roithmeier, Regionalleiter des BFI Oberösterreich, auf Anfrage. Die Schulungsprogramme zielten darauf ab, die Arbeitslosen für offene Stellen zu qualifizieren und daher werde auch die „Belastungssituation des Arbeitslosen eruiert“.

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