Anlässlich des internationalen Tages der Pflege- und Betreuungsberufe am 12. Mai 2009 dokumentieren wir hier eine Aussendung von maiz – Autonomes Zentrum von und für Migrantinnen aus Linz.

Weltweit wurde gestern, am 12. Mai der Internationale Tag der Pflege-und Betreuungsberufe gefeiert. Dieser Tag soll an „den wertvollen Beitrag, den PflegerInnen für die Gesellschaft leisten“ erinnern.
Wir nehmen diesen Tag zum Anlass um den Fokus auf die globale Frage der Situation von Migrantinnen zu lenken und beziehen uns dabei auf einen noch viel breiter gefassten Begriff der Pflege. Pflege schließt vor allem für Migrantinnen eine reihe weiterer bezahlter Dienstleistungen mitein, die im aktuellen Kontext der Globalisierung von (prekären) Arbeitsverhältnissen stark beeinflusst und großteils Ergebnis der vielfältigen Umgestaltung des Produktionsprozesses in postfordistischen Gesellschaften sind. Mit der Vielfalt prekärer Existenzen nehmen auch Rolle und Anzahl von Migrantinnen in diesem Bereich rasant zu. Bestehende Arbeitsverhältnisse sind dabei überwiegend im Kontinuum „Sex-Fürsorge-Pflegearbeit“ angesiedelt.

Prekäre Dienstleistungssektoren wie die Sexindustrie oder der Reinigungsbereich, in denen Migrantinnen besonders stark vertreten sind, dürfen deshalb nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen im Zusammenhang mit einer Reihe weiterer prekarisierter Arbeitsbereiche im informellen Sektor gesehen werden, wie z.B. mit bezahlter Hausarbeit, Kranken- und Altenpflege, Kinderbetreuung, Mini-Jobs im Supermarkt oder in Hotels, Beschäftigung in Call Centern etc.
So unterschiedlich diese neuen Arbeitswelt-Identitäten auch sein mögen, der Ausschluss aus dem System der Arbeitsrechte und damit aus deren Schutz ist allen gemeinsam. Prekarisierung ist mehr als
rechtliche, soziale und finanzielle Unsicherheit.

maiz unterstützt Migrantinnen durch Beratung, Streetwork, Kulturarbeit, Bildungsangebote und im Rahmen zahlreicher Projekte.

PreQual – ein Unterstützungsangebot für Migrantinnen
Das Projekt PreQual ist als Erwachsenenbildungsprogramm von maiz für Migrantinnen an der Schnittstelle dieser Bereiche angesiedelt und wurde bereits vier mal erfolgreich in Linz umgesetzt. Konkret verfolgt PreQual das Ziel, interessierten Migrantinnen eine Orientierung im breiten Tätigkeitsfeld der Gesundheitsberufe zu ermöglichen, den Einstieg in eine einschlägige Ausbildung zu erleichtern und spezifische Vorkenntnisse zu vermitteln.
Besonderes Augenmerk wird auf die bereits mitgebrachten Qualifikationen, interkulturellen Kompetenzen und Erfahrungen sowie auf die gesundheitsspezifischen interkulturellen Aspekte in der Pflege und eine Auseinandersetzung mit antirassistischen, antisexistischen und genderspezifischen Strategien gelegt.
maiz bietet damit einen lösungsorientierten Ansatz im Umgang mit den starken Benachteiligungen, denen Migrantinnen am Arbeits- und Ausbildungsmarkt innerhalb der EU ausgesetzt sind an, mit dem Ziel den Zugang zu Bildungs- und Arbeitsmarkt für Migrantinnen zu verbessern.

Im Rahmen eines internationalen Leonardo da Vinci Projektes wird PreQual derzeit unter Anleitung von maiz auch in weiteren EU-Ländern umgesetzt.
Lesen Sie mehr dazu unter www.prequalsteps.maiz.at

12. Mai – Eine Veranstaltung zum Internationalen Tag der Pflege bei maiz!
Für diesen Tag hat maiz eine spezielle Veranstaltung zu diesem Thema für Frauen aus aller Welt organisiert. In Ergänzung zu Informationen über die Möglichkeiten einer Qualifikation und Arbeit in diesem Feld, haben wir den Schwerpunkt auf die Arbeitssituation von Migrantinnen in diesem Feld gelegt.
Eine Gruppe von Frauen bereitete hierzu ein Theaterstück vor, das auf eigenen Erfahrungen beruhte und indem praktische Tätigkeiten in der alltäglichen Pflege dargestellt wurden, und mit ihnen erlebte rassistische Ausdrücke und Handlungen.

Da die Präsentation dem Konzept des „Forum Theaters“ folgte, wurden die an der Veranstaltung teilnehmenden Migrantinnen eingeladen aktiv zu intervenieren und Rollen zu übernehmen, um nach eigenen Vorstellungen oder Ideen den Umgang mit der Situation zu erproben. Dies führte zu einer sehr aufregenden und intensiven Arbeit mit Austausch und Diskussion.
Rund um diese Veranstaltung konnten die teilnehmenden und interessierten Frauen Informationen über die PreQual Kurse erhalten und ein lokales Notfall-Team des Samariterbundes bot die Möglichkeit, einen Einblick in ihre Sanitätsarbeit sowie in die Ausstattung des Einsatzfahrzeuges zu bekommen.

Die Website von maiz: http://www.maiz.at
Kontakt zum Projekt PreQual: leonardo@maiz.at

Advertisements