Der Augustin veröffentlicht einen Leserinnen-Brief einer durch Arbeitslosigkeit zermürbten, aber erst recht durch das AMS-System schikanierten Leserin.

Der Text enthält eine Vielzahl der bekannten und nichts desto trotz interessanten Symptombeschreibungen eines Systems, das kaum auf Hilfe ausgelegt ist sondern vielmehr auf Erniedrigung und Stigmatisierung:

1. instrumentelle Herablassung und das Fuchteln mit dem Damoklesschwert

Am 1. Februar 2005 erhielt ich von meinem damaligen „Berater“ das Formular für den Pensionsantrag wegen Berufsunfähigkeit mit den Worten: „Sowas wia Ihna kemma do net brauch’n.“

2. Gratisarbeitskräfte, die freilich gern genutzt werden, aber nur solange gratis

Als in den frühen 1990er-Jahren diese an sich nicht unvernünftige Maßnahme für über 50-Jährige eingeführt wurde, galt sie für zwei Jahre, und das Arbeitsamt finanzierte Arbeitgeber- und -nehmeranteil zu 100 Prozent.
Unternehmen, die diese Maßnahme für sich in Anspruch nahmen, behielten allerdings keine Sekunde länger die auf diese Art erhaltenen Gratisarbeitskräfte.
Auch seitens des Arbeitsamtes, und später des AMS, wurde nie auch eine Sekunde länger eine Behaltefrist von den Unternehmen gefordert. 

3. aus der Arbeitslosigkeit in die Beaufsichtigung übergetretene SeitenwechslerInnen

… von wem wir instruiert wurden. Nämlich: einem zehn Jahre erwerbsarbeitslosen Friseurmeister, dessen Gattin all diese Jahre ein eigenes Geschäft unterhielt, sowie einer frisch geschiedenen, etwa 30 Jahre alten ebenfalls Friseurmeisterin aus Wr. Neustadt, die ihre beiden unter 10-jährigen Kinder unbeaufsichtigt daheim lassen musste und mit den Öffis nach Wien fuhr und wieder retour. Diese Frau war ein einziges Wrack, ein Nerverl, weil zur Existenzangst auch noch die Angst um ihre Kinder dazukam sowie die Konsequenzen daraus, weil was passiert, wenn etwas passiert und sie ihre Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen hat …

Und die Leserbrief-Schreiberin fügt, als wäre das eine lapidare Nebensächlichkeit, einen Aspekt an, der zentral ist, so zentral wie gleichzeitig verdrängt:

Die Summen, die als Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe ausbezahlt werden, haben Generationen von unselbständig Erwerbstätigen und auch teilweise die Betroffenen selbst jahrelang in den Gemeinschaftstopf eingezahlt.

… den ganzen, längeren Brief gibt es hier auf der Augustin-Homepage zu lesen.