Hürden

Der ÖGB macht ja in den letzten Jahren in der Prekaritäts-Szene auf sich aufmerksam durch interessante und wichtige Angebote. So bietet die Interessensgemeinschaft work@flex der GPA-djp wirklich relevante Informationen und vertritt politisch engagierte Positionen, die (bis auf weniges) auch meiner Position entsprechen. Nun dachte ich mir, ich werde Gewerkschaftsmitglied – damit stärke ich genau jene in den Gewerkschaften, die begriffen haben, dass die Realität vieler Menschen heute weit weg ist von „Normalarbeitsverhältnissen“ und dass es angesichts des Abbaus sozialer Rechte und der Umverteilung von unten nach oben Zeit für demokratische und kämpferische Gewerkschaften ist. Und frau muss sich ja nicht dem Mainstream, dem Totreden der Gewerkschaft, anschließen.

Beschlossen, getan. Aber so einfach ist das nicht!

STEP 1: Ich habe Anfang November das Anmeldeformular auf der GPA-Seite (das da aus Sicherheitsgründen https statt http angeraten wäre, ist eine andere Frage, der ich mich hier nicht widmen will) ausgefüllt und mich dabei schon geärgert, dass ich nicht angeben kann, dass ich gleichzeitig einen Werkvertrag habe und „dzt. ohne Beschäftigung“ bin. Als Arbeitgeber habe ich das AMS eingetragen, woher derzeit der Großteil meines Geldes daher kommt, weil ich in einer Stiftung bin und eine Weiterbildung mache.
STEP 2: Eine nette Dame von der GPA OÖ hat mich angerufen und gefragt, ob ich nicht zu einer anderen Fachgewerkschaft gehöre, wenn das AMS mein Dienstgeber ist und ich dort angestellt bin. Nach einer längeren Erklärung waren wir uns dann einig, dass ich doch zur GPA gehöre und sie hat mir sehr freundlich auch versichert, dass ich mich da offenbar besser auskenne mit atyischer Beschäftigung als sie.
STEP 3: Da die Online-Anmeldung noch nicht genug war, ist dann ein Papier-Formular per Post gekommen, wo ich die gleichen Daten, die ich schön brav ins Internet getippt hatte, nochmals ausfüllen durfte. Abgeschickt.
STEP 4: Heute hat wieder ein netter Herr von der GPA OÖ angerufen, der irritiert war wegen des von der ersten Dame vorschlagenen Mitgliedsbeitrages (für atypisch Beschäftigte gibt es einen reduzierten Beitrag, steht im übrigen auch nirgendswo bei der Onlineanmeldung). Und was ich denn sei, denn ich habe ja mehr angekreuzt am Formular. „Ich bin das alles“ war meine Antwort, aber dann beim Stichwort „atyisch“ hat er sich dann doch ausgekannt und konnte die passende Schublade für mich finden.

Ich bin gespannt, ob da noch ein weiterer Schritt folgt – oder ob ich es jetzt wirklich geschafft habe, Gewerkschaftsmitglied zu werden.

Mein Resümee:

  • Offenbar wollen die Gewerkschaften atypisch, prekär Beschäftigte doch nicht so recht – oder nur so halb, nicht so richtig, so irgendwie doch, na, wir wissen nicht, vielleicht haben wir doch andere Sorgen, …
  • Der Großteil der GewerkschaftsmitarbeiterInnen, die für die Mitgliederbetreuung zuständig sind, hat offenbar keine Ahnung wie atypische Beschäftigung funktioniert. Da ist der Mix von Arbeitsformen typisch und nicht schubladisierbar. Aber freundlich sind sie! Ob das ausreicht für die Zukunft?
  • Die Gewerkschaft ist offenbar noch nicht mal wirklich im Web 1.0 angekommen, von Web 2.0 ganz zu schweigen
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