eine Geschichte von vielen, viele folgen noch …

Angela M., Kindergartenpädagogin, ist glücklich verheiratet. D.h. sie ist glücklich verheiratet, war glücklich verliebt und unbeschwert, darf aber nicht glücklich und unbeschwert sein und kann sich an dieses Gefühl, diesen Zustand, diese Phase schon kaum mehr erinnern. Dabei liegt die glückliche Heirat nicht so lange zurück. 2005 war es, als Angela Patricks Frau wurde und Patrick Angelas Mann.

Patrick wäre glücklich gewesen, hätte er sein Studium der Handelswissenschaften in seinem Geburtsland beenden können. Er war glücklich aus diesem Staat halbwegs unbeschadet fliehen zu können, obschon sein Leben damit erst einmal zerstört war. Unter anderem musste er seine Bäckerei in seiner Heimatstadt aufgeben, deren Eigentümer er gewesen war, und in Wien neu anfangen mit Deutschkursen, dem Straßenverkauf des Augustin und Schneeschaufeln für die Wiener Linien: 23,- Euro für 5 Std. schaufeln in eisiger Nacht von 4.00 in der Früh weg.

Angela und Patrick waren also glücklich, um dieses viel strapazierte Wort noch weiter zu strapazieren. Sie waren verliebt, glücklich einander zu haben, glücklich sich aneinander zu binden; das heilige Sakrament der Ehe, für viele in unserer Gesellschaft die Keimzelle der Gesellschaft und auch vor dem Staat ein besonderer Vertrag.

Die Ehe ist vielen in unser Gesellschaft wichtig, für nicht wenige ist sie heilig. Im aktuellen gesellschaftlichen Klima gilt sie jedoch wenig bis nichts, wenn die beiden Partner in der Ehepartnerschaft nicht die gleiche Staatsangehörigkeit haben. Noch verwerflicher ist es für einige Mitglieder unserer Gesellschaft, wenn die Ehepartner nicht die „passende“ Hautfarbe aufweisen.
(Hier spielt eine längere eurozentristische und eine nicht allzuweit zurückliegende stark rassistische Tradition unserer Gesellschaft sicher eine nachhaltige Rolle in den Ressentiments mancher MitbürgerInnen.)

Für Angela und Patrick und ihre Ehe noch bedeutend gefährlicher als ohnehin problematische Ressentiments in der Gesellschaft ist allerdings, dass nicht nur extreme Lager in unserem politischen System Stimmung gegen Angela und Patrick machen, sondern mittlerweile der Staat selbst .

Von staatlicher Seite, dh. von der Verwaltung wurde Angela und Patrick 2006 nahe gelegt, dass Patrick seinen Asylantrag als politischer Flüchtling „zurückziehen“ solle. Das müsse er, wenn er in Österreich – seinem neuen Heimatland – seine „Niederlassung“ beantragen möchte.
Damit war Patrick vor dem neuen Fremdenrecht nun allerdings „illegal“ in Österreich und konnte jeden Moment von der Fremdenpolizei verhaftet und umgehend abgeschoben werden.

Abschiebungen sind notwendig und richtig, sagt die offizielle österreichische Politik. Abschiebungen sind cool, lässig, befriedigend findet das extreme Lager österreichischer Gesellschaft. Die einen wie die anderen kümmert nicht, dass diese Abschiebungen weder notwendig noch richtig sind und im Gegenteil sogar menschenrechtswidrig. Im einen Fall verwundert das nicht weiter, im Fall der offiziellen österreichischen Politik ist es schlicht inakzeptabel.

Angela M. und Patrick leben seit dem Beschluss des Fremdenrechtspakets unter prekarisiertesten Bedingungen. So wie viele andere Ehepaare auch. Angela hat mit einigen von ihnen die Initiative „Ehe ohne Grenzen“ gegründet. Sie kämpfen für ihr Recht – Recht!, nicht Gnade und vielmehr noch „Menschenrecht“! – auf ein (glückliches) Familienleben.

zu weiteren Schutzbefohlenen der Santa Precaria
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