eine Geschichte von vielen, viele folgen noch …

Claudia H., 26, ist eigentlich schon fertig mit ihrem Germanistik Studium. Sie hat es sogar mit Auszeichnung abgeschlossen und nebenbei auch brav Berufserfahrung gesammelt.
(Leider waren es immer nur freie Dienstverträge oder Werkverträge. Das ist das, was es für sie neben dem Studium gab. Nur einmal war sie als ordentliche Ferialpraktikantin für 2 Monate voll angestellt. Erwarb dadurch Versicherungsjahre).

Da die Zeit der befristeten Anstellung gerade mit dem Abschluss ihres Studiums zusammen gefallen ist, konnte sie sich als nun „offiziell Erwerbstätige“ nicht mehr bei den Eltern mitversichern lassen. Studentenversicherung gab es auch keine mehr und vom AMS gibt es für solche Fälle sowieso keine Unterstützung. Es sind ja noch nicht genug Versicherungszeiten zusammen. Deshalb musste sie sich schnell einen neuen Job suchen.

Es folgte Bewerbungsschreiben auf Bewerbungsschreiben. Trotz einschlägiger Berufserfahrung bekam sie wiederum nur ein Praktikum angeboten: Als Lektorin gebe es viel zu tun, aber leider nicht viel Geld, hieß es bereits im Bewerbungsgespräch. Dafür sei die Arbeit sehr interessant und anspruchsvoll.

Voll versichern wollte man sie nicht, das kämme zu teuer, und als Absolventin könne man ihr leider auch keinen Dumping-Praktikantenlohn laut Kollektivvertrag mehr zahlen (… dieser gilt nämlich nur für Pflichtpraktika im Rahmen eines Studiums).
Deshalb hat Claudia H. einen Vertrag zur geringfügigen Beschäftigung unterschrieben. Die Stunden nimmt man ja bei einem Praktikum nicht so genau, man zeigt sich engagiert. Und hofft.

Anfangs war Claudia froh, eine geringfügige Beschäftigung war besser als wieder nur ein Werkvertrag. Denn so konnte sie sich wenigstens freiwillig Zusatz versichern, und nebenbei vielleicht noch einen anderen Job annehmen um finanziell halbwegs über die Runden zu kommen.

Bald stellte sich heraus, dass das Arbeitsausmaß weit über einer Geringfügigkeit lag. Claudia kam keinen Tag der Woche vor 17.00 aus dem Büro, arbeitete teilweise sogar übers Wochenende. Die Arbeit konnte schon gefallen und man gab ihr so viel zu tun, wie den anderen Vollzeitkräften auch.

Beschwert hat sich Claudia aber trotzdem nicht. Sie war es aus der Studienzeit schließlich gewohnt, mit wenig Geld auszukommen. Die Hoffnung bestand außerdem, bei Bewährung vielleicht doch irgendwann voll angestellt oder aufgenommen zu werden. Diese Hoffnung machte sich Claudia selbst und diese Hoffnung wurde genährt. Also Vollzeit engagieren, geringfügig angemeldet sein, einen Scherz verdienen.

Claudia arbeitet engagiert weiter. Sie hat ja bereits mitbekommen, dass am Arbeitsmarkt für Jungakademikerinnen ein rauer Wind weht, und da darf man sich keine noch so kleine Chance mit Widerstand verbauen …

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