eine Geschichte von vielen, viele werden noch folgen …

Johanna M. arbeitet seit 14 jahren in einem Supermarkt in Wien. Seit 8 Jahren steht sie in einer Filiale im 15. Wiener Gemeindebezirk meistens an der Kasse, zuvor war sie in einer Filiale der gleichen Kette im 12. Bezirk. Wohnhaft ist sie seit eh und je in Baden, was so viel wie eineinhalb Stunden Arbeitsweg pro Arbeitstag bedeutet, inklusive Staus, Parkplatzsuche etc.

Johanna ist stolz auf ihre Geschwindigkeit beim Kassieren, sie ist stolz darauf, ihren Kolleginnen den Rücken möglichst freizuhalten. Ihre Kolleginnen sollen mit der Regalbetreuung nachkommen und nur im Notfall auch zur Kassa springen müssen, wenn Johanna die Schlange nicht schnell genug abarbeiten kann. Zwischendurch hilft sie auch beim Nachschlichten, beobachtet argwöhnisch potentielle Ladeniebe und schreit tatsächlichen Ladendieben wütend nach.

Johanna und ihre Kolleginnen sind es gewohnt, pro Tag zwischen einer und zwei Stunden mehr als die „dienstliche“ Arbeitszeit zu arbeiten. Die Zeit vor der Öffnung der Filiale und die nach Filialschluss, die Zeit zur Warenannahme, Abrechnung, zum Übernehmen und Nachschlichten wird nicht verrechnet. Überstunden gibt es nicht. Das ist bei den anderen Supermarktketten genauso, darüber können die Kolleginnen nur die Achseln zucken, das kann man nicht ändern.

Wenn die Filialaufsicht ins Geschäft kommt und wieder Rückstände bemängelt, fast abgelaufene Warenbestände, nicht richtlinienkonforme Aufsteller, dann ärgert sich Johanna mit ihren Kolleginnen kaum mehr. Sie wissen, dass es schneller und besser unter den gegebenen Umständen gar nicht mehr gehen kann. Ware kommt oftmals schon so gut wie abgelaufen an, hie und da ist in den Paletten gut versteckt etwas gestohlen. Die Zeit für die Übernahme macht unmöglich, das zu kontrollieren. Das Risiko wird auf die Mitarbeiterinnen abgewälzt.

Wir müssten dazusagen, Johanna ist die eigentliche Filialleiterin, aber nun mal weiblich und ungelernt. Zu Hause muss sie noch die Wäsche machen und am besten nicht daran denken, wie viel bzw. wie wenig sie für ihre Arbeit bekommt und wieviele Stunden sie und ihre Kolleginnen Woche für Woche unentgeltlich arbeiten.

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