Eine Umfrage der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp und der Mediengruppe Online zeigt, dass eine große Mehrheit der Online-Journalist_innen redaktionell tätig ist und eigene Geschichten produziert, aber vertraglich nicht als RedakteurInnen anerkannt wird.
Ermöglicht wird das v.a. durch die Ausgliederung der Online-Redaktionen aus den Medienhäusern, was eine „Kollektivvertragsflucht“ ermöglich. Die berüchtigten „Freien Dienstverträge“ dominieren den Online-Journalismus.
Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp kommentiert:
Die unfaire und inadäquate Behandlung der Kolleginnen und Kollegen in den Online-Redaktionen greift nicht nur deren wirtschaftliche Basis an, sondern stellt auch eine ernste Bedrohung für die Meinungsfreiheit in Österreich dar.
Informationen zur Studie gibt es bei der GPA-djp. Interessant ist auch das Blog der Mediengruppe Online, in dem unter anderem zu erfahren ist, dass bei einem schwedischen Online-Portal Journalist_innen nach Klicks bezahlt werden. Na, danke!




4 comments
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27. Mai 2009 um 21:07
andrejo
Hi Andrea,
es ist schon – ganz milde ausgedrückt – zum Kotzen, wie Menschen ausgebeutet werden, während die Unternehmer sich dumm und dämlich verdienen. Du hast ja schon eine ganze Reihe von Branchen hier aufgeführt und ich finde es sehr wichtig, dass da immer wieder drauf aufmerksam gemacht wird. Vielleicht bedingt das irgendwann mal bei dem ein oder anderen ein Umdenken und Einsicht in die Tatsache, dass man eigentlich von seinem Lohn auch leben können sollte.
Das schlimme bei solchen Dumpinglöhnen ist ja, dass die Arbeitsagenturen die Leute in solche Beschäftigungen hineindrängen, obwohl es ihnen klar sein muss, dass sie dort
a.) kaum je wieder rauskommen
und
b.) für den Staat trotz der Hartz IV-Aufstockung (in Deutschland), wesentlich billiger sind!
Aber ist das gerecht? Ist das normal? Nein das ist pervers. Es ist eine neue Form von Sklaverei, die staatlich gebilligt und sanktioniert wird und dabei gehen die Menschenrechte flöten.
Das ist in der Branche, in der ich seit vielen Jahren tätig bin, nicht anders -die Gebäudereingerbranche.
Und hier, hab ich eine Nachricht, dass es in sogenannten Callcentern auch nciht anders zu geht.
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,7590554,00.html
Eine ehemalige Mitarbeiterin hat mir mal erzählt, ihr Sohn habe nach der Schule begonnen in einem Callcenter zu arbeiten. Weil das Geld nicht reichte, musste er regelmäßig mehr als eine Schicht arbeiten. Nach einem halben Jahr begann er Nachts zu Hause Stimmen zu hören. Das habe sich derartig verschlimmert, dass er mehrfach versuchte sich umzubringen. Nachdem eine langwierige psychatrische Behandlung Besserung brachte, fing er wieder an zu arbeiten im Callcenter. Nach etwa 2 Wochen traten die Krankheitssymptome erneut und stärker auf ud der junge Mann musste in eine geschlossene Psychatrie eingewiesen werden, wo er auch heute noch ist (das ist jetzt über 2 Jahre her).
Die Ärzte vermuten einen Zusammenhang mit der Tätigkeit im Callcenter, da Menschen die dort arbeiten, häufiger ähnliche Symptome zeigten. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht beurteilen. Aber die Arbeitsbedingungen in so einem Callcenter würde ich als Aussenstehender, der schon mal im Rahmen seiner Gebädereiniger-Tätigkeit mit Callcentern zu tun hatte, als beschissen bezeichnen.
Wie beim Online-Jourmalismus auch dürfte das Schlimmste an diesen Arbeitsverhältnissen der enorme Druck sein, unter dem gearbeitet wird und die Gewissheit, vermutlich nichtund schon garnicht aus eigener Kraft aus diesen Verhältnissen aussteigen zu können. Und das grenzt ganz klar an Sklaverei, meiner bescheidenen Meinung nach.
Liebe Grüße sendet Andrej
27. Mai 2009 um 23:43
andreame
Danke für Deinen Kommentar. Ein Freund von mir macht auch drei Callcenter-Jobs (von einem alleine kann ja niemand leben) per freiem Dienstvertrag – da glaube ich auch, dass das eine ganz, ganz schlimme Branche ist. Immer wenn mich sower anruft, egal mit was, muss ich dran denken und bemühe mich zumindest freundlich zu sein, auch wenn ich z.b. nicht in die Quote der Umfrage passe.
25. Juli 2009 um 16:18
Wenn Redaktionen JournalistInnen nicht vernünftig bezahlen, tun es andere. « Santa Precaria
[...] andere Seite der Medaillie der unzureichenden sozialen Absicherung vieler JournalistInnen (wie z.B. hier am Beispiel des Onlinejournalismus erörtert) verweist Stefan Niggemeier in seinem Blogeintrag “Journalisten” im Auftrag der [...]
26. Juli 2009 um 18:35
alexandra bader
stimmt, es liegt wohl auch daran, dass immer noch erklärungsbedarf ist, wenn man / frau online schreibt, dabei ist es printschreiben PLUS das ganze fürs web aufbereiten, also links (welche? wie? was will ich durch diese ebene noch zusätzlich vermitteln?), videos, bilder etc. das ist mindestens ebenso anspruchsvoll wie für print schreiben….ich schreibe seit 11 jahren online und weiss nicht, wie oft ich es schon erklärt habe…es gibt aber auch journalisten, die auf das web runterschauen und glauben, nur print sei seriös – im web ist halt grundsätzlich mal alles gleich viel wert, man muss sehen, was seriös ist, wo qualität ist. die kann aber zb ein blog sein und nicht der webauftritt einer tageszeitung, wo nur die agenturmeldungen reingestellt werden, die alle haben, und ein bisschen was aus der printausgabe.
siehe auch http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=&area=1&p=articles&id=1315
und
http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=1288