eine Geschichte von vielen, viele folgen noch …
Barbara H., 30, arbeitet aktuell in einem Behindertenprojekt. Zuvor hatte sie in einem ähnlichen Behindertenprojekt gearbeitet. Davor in einem Projekt im Bereich der Gebietsbetreuung von Jugendlichen in Graz. Bei den beiden ähnlichen Behindertenprojekten handelt es sich eigentlich um das Gleiche, nur dass es jährlich neu beantragt und genehmigt werden muss. Die Gebietsbetreuung hat Barbara auch nicht 3 Jahre lang gemacht sondern 3 mal ein Jahr lang.
Barbara arbeitet also im Bereich Soziale Arbeit. Diese “Branche”, dieser riesige Sektor ist schon seit langem flexibilisiert, wie es beschönigend heißt. Wir könnten es auch so nennen: Soziale Arbeit ist schon lange prekarisiert. Fixe Anstellungen gibt es so gut wie gar nicht mehr. Die Soziale Arbeit ist fast ausschließlich in “Projekten” organisiert und dort, wo das noch nicht der Fall ist, dort ist es nur mehr eine Frage der Zeit.
Projektarbeit ist toll flexibel. Projekte müssen beantragt werden, die Beantragung beurteilt werden, die Durchführung von Bedingungen (Kennzahlen und Berichtswesen) abhängig gemacht werden, die Kennzahlen und Berichte evaluiert werden. Dann muss die Evaluierung noch evaluiert werden.
Die Gelder für das Projekt, in dem Barbara arbeitet, werden nur jährlich vergeben, daher weiß sie nie wie lange es das Projekt noch geben wird. (Ihre Kolleginnen und die betreuten Behinderten wissen übrigens genauso wenig wie sie). Ihre Soziale Arbeit besteht zu einem guten Teil aus Berichtswesen und aus den Vorbereitungsarbeiten für die Antragstellung zur Sicherung des Budgets für ein nächstes Jahr.
Ihr Mann Günther, 32, hat es etwas “besser”. Er hat sein Doktoratsstudium abgeschlossen und ist jetzt bei einem Forschungsprojekt auf der Universität Graz angestellt, das für drei Jahre gesichert ist. Danach muss er sich ein neues Projekt suchen. Sein Projekt ist ein Evaluationsprojekt.
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Eine ergänzende Anmerkung:
Die Gelder und Budgets für Projekte im Bereich Sozialer Arbeit werden landauf, landab “Subventionen” genannt. Im Begriff Subventionen schwingt die Prekarität unvermittelt mit: von lat. subvenire = zu Hilfe kommen; als würde es sich um Gelder handeln, für die keine Gegenleistung erbracht wird.
Worum handelt es sich wirklich? Um Auslagerung!
Der Staat – also wir – lagern Arbeiten aus der direkten staatlichen Verwaltung und Verantwortung aus und bezahlen diese Arbeiten, von denen wir im breiten gesellschaftlichen Konsens überzeugt sind, dass der Staat sich um diese Aufgaben kümmern soll, indem wir Projekte beauftragen und bezahlen. Bezahlen, nicht subventionieren.
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3 comments
Comments feed for this article
25. Februar 2008 um 13:01
Brigitte Krupitza
Euch ist da ein kleiner, aber sinnstörender Fehler unterlaufen:
“Bald stellte sich heraus, dass das Arbeitsausmaß weit über einer Geringfügigkeit lag. Claudia kam keinen Tag der Woche nach 5 aus dem Büro, arbeitete teilweise sogar übers Wochenende. Die Arbeit konnte schon gefallen und man gab ihr so viel zu tun, wie den anderen Vollzeitkräften auch”
Sollte es nicht heißen: “Claudia kam keinen Tag der Woche vor 5 aus dem Büro?”
Liebe Grüße
Brigitte
25. Februar 2008 um 14:36
hans christian voigt
oh, der Fehler ist mir unterlaufen. Danke für den Hinweis!!
(& warum Dein Kommentar jetzt unter diesem Eintrag erscheint und nicht unter dem zu Claudias Fall weiß ich jetzt auch nicht.)
28. April 2008 um 11:10
Ö1 Veranstaltung mit work@flex-Beteiligung « work@flex
[...] Gesellschaft immer wichtiger werdenden Thema Arbeit. Viele suchen Sicherheit, propagiert aber wird Arbeit in Projekten. Gemeint ist damit oft sogenanntes prekäres Arbeiten. Selbstständigkeit eröffnet aber auch neue [...]